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View Full Version : Good Podolski Article (SPIEGEL)


F96
16 Oct 2005, 04:21 PM
Maybe we can try to translate it together, so that not just one person has to do everything.

Himmel und Hölle


Lukas Podolski meisterte locker den Aufstieg vom Kölner Fußballprinzen zum nationalen Idol. In Krisenzeiten der DFB-Auswahl muss der Stürmer das Publikum besänftigen. Nun soll er den Sprung zum Weltstar schaffen. Wegbegleiter sind skeptisch, ob er allen Sehnsüchten standhält.

Durch die Fluchttore im Oberrang der Gegentribüne leuchtete schon das Abendrot in die Hamburger Arena, da pendelte Deutschlands Fußball-Herold noch immer auf Strümpfen zwischen Autogrammjägern, die ihm von der Brüstung ihre Trikots entgegenhielten.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann und das Management der Nationalelf hatten Anfang vergangener Woche ihren populärsten Botschafter entsandt, als es nach dem blamablen Auftritt beim 1:2 gegen die Türkei in Istanbul galt, für gewogene Stimmung an der Basis zu sorgen: Lukas Podolski, 20, trat nach dem Training noch einmal zur Autogramm-Viertelstunde vor das Volk. Das Publikum dankte mit spitzem "Poldiii"-Geschrei.

Deutschlands größtes Fußballtalent, ganz der Allrounder, ist schließlich auch als Seelenfänger und Verführer einsetzbar. Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde Podolski neulich auf Thomas Gottschalks Couch bei "Wetten, dass ...?" geschickt, um ein neues Produkt des Verbandssponsors Mercedes-Benz zu bewerben. Für den Montag vergangener Woche hatte ihn DFB-Sponsor Telekom für den Dreh eines TV-Spots angefordert, als ihn die Medienabteilung des Verbandes gleichzeitig der Presse präsentieren wollte.

Und als er am Mittwoch beim phantasielosen Kick der Deutschen gegen China (1:0) ausgewechselt werden musste, hatte der Stadionsprecher auf DFB-Anweisung für Verständnis zu sorgen, indem er das Wort "verletzungsbedingt" hinzufügte. Tatsächlich zwickte von Anfang an die Wade.

Schon in den Wirren um das Türkei-Spiel, das erbitterte Diskussionen um Klinsmanns Trainingsmethoden auslöste, hatte Meinungsführer Franz Beckenbauer den im polnischen Gliwice geborenen Jungstar geadelt: Neben Kapitän Michael Ballack und Torwart Oliver Kahn stufte er nur "Prinz Poldi" nicht als "eigentlich austauschbar" ein.

Nach nur 19 Länderspielen hat der für bündige Mitteilungen bekannte Angreifer ("Ich hau den Ball rein und Ende") im jetzt wieder so mutlosen Nationalteam schon die Bedeutung wie beim Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln: Lieblingsheld der Fans und Vorzeigeprofi fürs Marketing. Beim DFB-Medientag im Hamburger Hotel war Podolski der Einzige, mit dem sich Journalisten fotografieren ließen.

Seit er beim Confederations Cup im Sommer zum "Liebling Deutschlands" ("Express") aufstieg, taugt er im Ernstfall auch als Krisenmanager. "Das ist unser Weg, wie wir die Mannschaft aufbauen", entgegnete er Kritikern nach dem Gerumpel in der Türkei beflissen - und klang, als gehörte er zum Trainerstab.

Angesichts der mannigfachen Rollen fragt sich mancher allerdings, ob das nicht ein bisschen viel geworden ist. Klinsmann-Assistent Joachim Löw warnte vor zu vielen Werbeterminen - und musste sich belehren lassen: Die meisten Auftritte absolvierte der Held im DFB-Auftrag.

Formschwankungen nährten auch schon den Verdacht, dass der Massenliebling sich in der neuen Spielzeit nicht ganz wohl fühlt. Podolski befinde sich "halt nicht in seiner besten Phase", konstatierte Kölns Torwart Stefan Wessels, der all die Zusatzbelastungen emotionslos als "Preis für seine Popularität" abhakt. Ausgerechnet Podolski, der im Team nie Neid aufkommen ließ, weil er sich im Glanz des Ruhms nicht sonnt, fiel nun auch noch durch beinahe verächtliche Gesten auf. Als der Verteidiger Christian Lell im Spiel gegen Hertha BSC den Ball verlor, trat der Hauptdarsteller herausfordernd erzürnt ins Gras.

Alle warten, dass Podolski - möglichst pünktlich zur WM - den Sprung zum Weltstar schafft. Jürgen Klinsmann verglich ihn

in der "Sunday Times" mit Englands Wunderstürmer Wayne Rooney, den früheren Kölner Coach Huub Stevens erinnerte der Angreifer mit der verblüffenden Schusstechnik an den "jungen Johan Cruyff".

Das alles macht es für den erdnahen Spaßvogel, der noch vor wenigen Jahren auch privat im Kölner FC-Trikot durch seinen Wohnort Bergheim lief, nicht leichter. Wenn er den Ball erwartet, legt der junge Mann mit den gebeugten Schultern oft noch diesen hopsenden Zwischenschritt ein, der seinem Spiel eine fröhliche Note gibt. Doch abseits des Rasens trägt er neuerdings manchmal Züge von Lustlosigkeit. Die bisher so geradlinige Karriere, das scheint er zu ahnen, ist an eine Biegung geraten, deren Verlauf keiner kennt.

Im Kölner Vereinslokal "Zum Geißbock" hatte Podolski neulich Putengeschnetzeltes in Thymianrahmsauce bestellt, er aß hastig, ohne aufzuschauen. Als er satt war, schob er den noch halb vollen Teller mit aufmunterndem Nicken zu seiner Freundin Monika weiter, und auch im Gespräch wandte er den Blick nur selten vom Tisch. Denn aus den Augenwinkeln konnte er erkennen, dass eine ganze Schulklasse hinter ihm lauerte.

"Muss man lernen, mit umzugehen", sagte er scheinbar unbewegt, als die Bedienung routiniert einen rollbaren Raumteiler vor die Autogrammjäger-Horde schob, "das geht nicht von heute auf morgen." Der ausufernde Rummel - "viele denken, Fußballer wär ein einfaches Leben".

Viel hängt davon ab, wie er die Erwartungen meistert. Beim 4:2 gegen Südafrika etwa hatte er drei Tore für Deutschland erzielt, und dann "haben viele gedacht, dass ich im nächsten Spiel wieder drei Tore mache", konstatiert er nicht ganz klaglos.

"Poldi, ruf an", haben schmachtende Fans unter Angabe der Mobilnummer auf die Mauer gegenüber dem Eingang zur Spielerkabine geschrieben. Und: "Poldi is cooler wie Ronaldo." Der 1. FC Köln hat eine eigene "LP10"-Kollektion, benannt nach Podolskis Initialen und Rückennummer, im Fanartikelsortiment.

Sein Leben, räumt der Matador ein, habe sich "schon sehr verändert". Vor zwei Jahren, als er vierfacher Torschütze für die U-19-Junioren des DFB gegen Luxemburg war, bejubelte der Kölner Boulevard noch einen "Bodolski", jetzt ist "Poldi" der Coverstar der ersten Ausgabe des Fußball-Lifestyle-Magazins "Player".

Niemand konnte erwarten, dass alles in diesem Tempo weitergeht. Zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag debütierte der Torjäger in der Nationalelf, jünger waren bei ihrem Einstand für Deutschland nur Olaf Thon und Uwe Seeler. Nach dem Abstieg der Kölner wurde Podolski mit 24 Treffern Torschützenkönig der zweiten Liga.

Der Uwe Seeler des Pop-Zeitalters, der vor kurzem noch die aufgestickten Vornamen der Eltern auf den Fußballschuhen getragen hatte, saß nun zwischen Gottschalk und Heike Makatsch im ZDF, das weiße Polohemd weit aufgeknöpft, und beteuerte: "Ich hatte noch nie Druck, ich hab Spaß am Fußball, das werd ich auch zeigen." Und schon lachten die Leute, als hätte ein Dreijähriger Hegel zitiert.

Kein Druck. "Was ist nur mit Poldi los?", fragte jedoch vergangenen Monat der Boulevard. Und: "Geht Poldi in Köln kaputt?" Für Trainer Uwe Rapolder schien er "manchmal gedanklich woanders zu sein".

Kölns Manager Andreas Rettig glaubt, dass Podolski sich von all den Sehnsüchten der Leute "zu viel auflädt". Gegen Hertha grätschte der Stürmer demonstrativ vor dem eigenen Tor, wie um dem anspruchsvollen Trainer zu gefallen. Rettig hält das für "Übereifer" und "Quatsch".

Er ahnt, dass etwas nicht stimmt, und sieht "Parallelen zu Sebastian Deisler". Der Nationalspieler begann sich, lange bevor er in München an Depressionen erkrankte, während seiner Berliner Zeit zurückzuziehen. Der Hype wurde ihm zu viel. "Er wollte nicht mehr Everybody's Darling sein", resümiert Rettig und sieht auch bei Podolski Gefahren "im täglichen Leben - immer beobachtet zu sein, nicht zur Ruhe zu kommen".

Bei einer Autogrammstunde in einem Einkaufszentrum von Köln-Kalk mussten Sicherheitskräfte die Türen verriegeln, weil so viele Menschen die Sehenswürdigkeit Podolski betrachten wollten. Paparazzi spürten "Poldi" im Mallorca-Urlaub auf, und auch in der polnischen Heimat haben ihn die Fans quasi adoptiert: Oma Zofia musste, als der Enkel zu Besuch war, Autogrammkarten aus dem Küchenfenster reichen.

Es sei gar nicht so sehr die erdrückende Zuneigung, die ihm zu schaffen mache, sagt Rapolder. Der Kölner Trainer hat sich in den Kraftraum zurückgezogen, um in Ruhe über Podolski zu reden. "Das Problem ist subtiler", sagt er: "Zwischen Himmel und Hölle zu pendeln. Prognostizierter Weltstar und dann wieder im Abstiegskampf der Bundesliga zu sein."

Es sei nicht leicht, mit dem Spieler zu reden. "Er lacht dann und macht seine Späße." Podolski ist es gewohnt, dass die Leute Freude an ihm haben. Als der Teamkamerad Albert Streit einen Jochbeinbruch erlitten hatte und ein TV-Interview gab, lief Podolski durchs Bild und rief "Jochbein, Jochbein". Er fand das komisch.

Rapolder verlangt aber "Ernsthaftigkeit und Teamwork". Podolski, ein "guter Junge", müsse "gerade beim 1. FC Köln Fußball auch als Arbeit verstehen. Im Jahr 2005 sind die wahren Stars alle Teamspieler."

Der im Sommer von Bielefeld nach Köln gewechselte Coach sieht Fußball als ein System einstudierter Kombinationen, bei dem alle Mitwirkenden pausenlos in Bewegung sind. Podolski, sagt er, sei "von der Spielweise eher individualistisch veranlagt". Das ist kein Kompliment.

Und das ist schwer zu verstehen für einen Spieler, dessen Stärken in überraschenden Einzelaktionen liegen und der gerade dafür bei der Nationalmannschaft regelmäßig Beifall erhält. Rapolder hat fürs Erste mit Podolski einen Vertrag geschlossen, einen "Mentalvertrag", wie er das nennt. Auf zwei Seiten sind taktisch-technische Fähigkeiten, der körperliche Zustand und soziale Eigenschaften des Spielers festgehalten. Dazu wird notiert, welche Schwächen binnen vier Monaten zu beheben sind. "Dann wird das unterschrieben und fertig", sagt Podolski, der sich da scheinbar nicht viele Gedanken macht.

Doch Lukas sei "komplizierter als sein Bild in der Öffentlichkeit", sagt Frank Schaefer, sein letzter Jugendtrainer. "Unglaublich sensibel, nicht immer der Strahlemann." Podolski sei immer "ein Szenen-Spieler" gewesen - einer, der ein Spiel nicht dominiert, sondern es in wenigen spektakulären Szenen prägt.

Jetzt soll der "Poldi" weiter lernen. Das fällt nicht leicht, wenn einen alle Welt schon für einzigartig erklärt. Kölns Clubchef Wolfgang Overath hat "noch keinen gesehen, der so kalt vor dem Tor ist wie er". Der Präsident, Kölns größter Fußballer bis heute, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Podolski zu einer Vertragsverlängerung zu überreden. Sonst kann der 2007 für nur eine Million Euro Ablöse gehen, Bayern Münchens Chef Karl-Heinz Rummenigge hat seine Verpflichtung schon für nächsten Sommer im Sinn, wenn er ihn öffentlich umschmeichelt: "Ein Klasse-Spieler muss auch in einer Klasse-Mannschaft spielen."

Overath, Weltmeister 1974, geht davon aus, dass er für Podolski ein Vorbild ist: "Ich habe ja selbst 15 Jahre bei nur einem Verein gespielt", sagt er, "und bin nicht arm dabei geworden."

Am Ende wird Kölns Fußballprinz, mit rund 300 000 Euro Jahresgehalt noch ein Kleinverdiener der Branche, auf Konstantin ("Kon") Schramm hören, seinen Berater. Der frühere Trainer des Krefelder Verbandsligisten Hülser SV telefoniert mehrmals täglich mit seinem Juwel.

Die Agentur, für die er arbeitet, hat Werbeverträge mit der AOK, der ABN Amro Bank, Adidas und dem Computerspielehersteller Electronic Arts besorgt. Schramm sagt Podolski, mit welchen Journalisten er sprechen soll. Ihn ruft der Spieler an, wenn er nicht weiß, welches Fahrrad er Vater Waldemar zum Geburtstag kaufen soll.

Schramm hat mit dem Stürmer das große Los gezogen und will nun in der Transferfrage keinen Fehler machen: "Es geht jetzt nicht um das schnelle Geld, sondern um seine Entwicklung."

Wenn Podolski wirklich fortzieht, argwöhnen ausdauernde Beobachter, müsse wohl der ganze Clan mit umsiedeln. Auf die Frage nach den "wichtigsten Personen der Zeitgeschichte" hat er "meine Eltern" angegeben; ohne die Familie - auch Tante Irene, die Mutter Christina bei der Fanpost hilft, die Oma, die Cousins - würde Lukas fremdeln. Und ohne Monika, über die er in seiner schlichten Direktheit einst im Interview verriet, wann er das erste Mal mit ihr intim war ("Jetzt gerade").

Münchens Schickeria würde der Stürmer meiden. Podolski trinkt keinen Alkohol und fühlt sich in Szenebars und Clubs, die Profis gern aufsuchen, unwohl.

Als der Bundestrainer im Juni abends Ausgang in Leipzig gewährte, ging "Poldi" lieber mit Kölner Journalisten ins Restaurant. Zum Italiener kam er in Trikot und Trainingshose. JÖRG KRAMER

Alex_K
16 Oct 2005, 04:22 PM
Damn, this guy starts to get on my nerves big time.

96Squig
17 Oct 2005, 12:13 PM
Damn, this guy starts to get on my nerves big time.
I am with you this time, but I will help translating the next week.
Was about time some team showed him his borders. The right team did so, if you ask me :-P

Jaison
17 Oct 2005, 12:46 PM
New little snippet in Kicker today about the game on Sunday.

Link (http://www.kicker.de/content/news/artikel.asp?folder=3100&object=322205&liga=1&saison=2005%2F06&spieltag=9&gruppe=19179)

He seems to be pissed off about not getting the start, even though he wasn't fully fit as I understood. From what I understand, he and Rapolder aren't exactly getting along well.

Do any of you see Podolski leave by January?

European16
17 Oct 2005, 03:06 PM
someone summarize please lol ?